APOKALYPSE – JÜNGSTES GERICHT - MILLENNIUMWECHSEL - 2012: FASZINATION WELTUNTERGANG
Im Moment der Katastrophe sind die Prioritäten auf Überleben ausgerichtet, und nicht auf Endzeitvisionen.
In Los Angeles bricht die Erde auf, die längst überfällige Eruption des Supervulkans unter dem Yellowstone Nationalpark kündigt sich an, Flutwellen überschwemmen die Küsten und Kontinentalplatten verschieben sich. So stellt sich Roland Emmerich in seinem Hollywood-Blockbuster 2012 die Erfüllung einer Weissagung vor, die manche aus dem Maya-Kalender abzulesen glauben. Denn der soll zur Wintersonnen- wende am 21.12.2012 enden. Dabei spart der Regisseur nicht an religiöser Symbolik. Spektakulär lässt er die berühmte Jesus-Statue in Rio de Janeiro zu Staub zerfallen, die Kuppel des Petersdoms bersten und eine Flutwelle über ein tibetisches Kloster im Himalaja hinwegtosen. Nur um am Ende der Katastrophe die Reste der Menschheit, zusammen mit ausgewählten Tieren und Pflanzen, in einer Art modernen Arche Noah der Sintflut entkommen und in den Sonnenaufgang schippern zu lassen.
Naturgewalt
Dabei braucht es keine multiple Naturkatastrophe à la Hollywood, um die Menschheit ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Ein Vulkanausbruch der Stärke 7 oder 8 auf dem achtstufigen Vulkanischen Explosivitäts-Index (VEI) hätte bereits verheerende Auswirkungen. So erwachte am 10. April 1815 der als erloschen geltende Tambora in Indonesien zu neuem Leben. „Als der Riese explodierte, enthauptete er sich durch seine entfesselten Kräfte quasi selbst. Er setzte eine Energie frei, die etwa drei Millionen Hiroshima-Bomben entsprach“, fasst Daniel Krämer vom Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte der Universität Bern zusammen. „Die Wolke, die dabei entstand, ragte 43 Kilometer in den Himmel und schleuderte 250 Kubikkilometer Gestein und Asche in die Stratosphäre.“ Der Himmel verdunkelte sich. Im Umkreis von 500 Kilometern herrschte drei Tage lang Nacht. Die Eruption wurde als Stärke 7 auf dem VEI eingestuft und wirkte sich auf das Klima der Erde so extrem aus, dass das darauf folgende Jahr 1816 auf der nördlichen Halbkugel als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte einging. Ernten blieben aus und die Menschen mussten hungern.
Überleben statt Weltuntergang
Völker, die in der Nähe von Vulkanen oder in Erdbebenregionen leben, sind sich der Gefahr sehr bewusst. Dennoch erzählen ihre Mythen zwar von erzürnten Göttern, die zu besänftigen seien, sie stellen aber keine direkte Verbindung zu einem drohenden Weltuntergang her, obwohl der doch nahe liegen würde. Sie haben sich mit der unberechenbaren Natur arrangiert, auch deshalb, weil die vulkanische Erde sehr ertragreich ist. Mit anderen Worten, das was wirklich Grund zur Sorge um das Gleichgewicht des Klimas und der Lebensbedingungen auf der Erde geben müsste, lässt die Menschen keinen Zusammenhang zum Weltenende erkennen. Wohl auch deshalb, weil im Moment der Katastrophe und in der Zeit danach die Prioritäten auf Überleben ausgerichtet sind, und nicht auf Endzeitvisionen. Beispiele gibt es gerade aus der jüngsten Geschichte reichlich: Der Hurrikan Katrina, der New Orleans 2005 dem Erdboden gleich machte, der Tsunami, der im Dezember 2004 zwölf Länder rund um den indischen Ozean heimsuchte, oder Anfang 2010 das Erdbeben in Haiti.
Apokalypse und Jüngstes Gericht
Wenn es also nicht die reale Bedrohung durch Naturkatastrophen ist, was bewegt die Menschen, ihr Wohl und Wehe ausgerechnet an bestimmten Daten festzumachen? Das letzte Mal schürten die Medien das Endzeitfieber zum Jahrtausendwechsel.
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