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Sterben üben

Sterben üben

Philosophische Lebenspraxis

„Wenn die Seele mitten inne ist, den wahren Kern der Dinge anzuschauen, so vermag sie dies am reinsten, indem sie sich völlig aus dem Körper in sich selbst zurückzieht, sich vom Leibe trennt und so der wahren Wirklichkeit entgegen strebt.“ (Sokrates)

VOR(AN)GESTELLT. Sokrates (469- 399 v.Chr.), „Meister aller Meister“ (Michel de Montaigne) der griechischabendländischen Philosophie, wurde wegen angeblicher Verderbung der Jugend und Missachtung der Götter von der Athener Obrigkeit zum Tode verurteilt. Vor der Hinrichtung durch Trinken von Schierlingsgift sprach er, wie sein berühmtester Schüler Platon überliefert, mit seinen „Freunden der Erkenntnis“ (d.h. Philosophen) über den Tod und das Sterben im Leben.

KEINE ANGST VOR DEM TOD. Ich gehe recht, wenn ich sage: Wer sein Leben wahrhaft im Ringen um Erkenntnis zugebracht hat, braucht den nahenden Tod nicht zu fürchten. Er kann mit heiterer Zuversicht erwarten: Sobald er diese Welt verlassen hat, wird er in jener anderen Welt Schätze in Fülle haben. Wie ist das möglich?

Lehrt nicht die Erfahrung Folgendes? Alle, die sich im wahren Sinne des Wortes dem Streben nach Erkenntnis gewidmet haben, erkennen als die freiwillige Aufgabe ihres Lebens nichts anderes an als die Meisterung des Todes durch ein schrittweises Sterben.

Nun hat aber der Begriff „Tod“ für uns Philosophen einen ganz bestimmten Sinn, und zwar bedeutet er für uns nicht das unwiderrufliche Abscheiden aus der Welt, sondern die „Trennung der Seele vom Körper“. Demnach bedeutet „Tot- Sein“: Der Körper ist gesondert und von der Seele losgelöst, allein für sich – und die Seele ist gesondert und getrennt vom Körper und allein für sich.

„Dies und nichts anderes ist das Lebenswerk der Philosophen: die Lösung und Trennung der Seele vom Körper einzuüben.“

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