AUFKLÄRUNGEN

AUFKLÄRUNGEN

1. Mythos Auferstehung – meisterhaft enträtselt

„Die Bibel kennt nur eine Auferstehung der Seele, bedient sich jedoch häufig materieller Begriffe, um diesen Sachverhalt zu schildern. Auch dort, wo von ‚Fleisch und Bein‘ die Rede ist, geht es letztlich um spirituelle Vorgänge.“

VORGESTELLT. Soami Divyanand ist Autor zahlreicher Bücher und lehrt seit über 35 Jahren den Pfad des inneren Lichts und Klangs, der in allen heiligen Schriften bezeugt ist.

WAS BEDEUTET AUFERSTEHUNG? Was wird gemeinhin unter Auferstehung verstanden? Die Auferweckung Christi von den Toten und im Zusammenhang damit seine Himmelfahrt zu Gott. Doch wie kann der physische Leib nach dem Tode wieder lebendig werden und dann in den Himmel auffahren? Dazu ist zu sagen: Die Bibel kennt nur eine Auferstehung der Seele, bedient sich jedoch häufig materieller Begriffe, um diesen Sachverhalt zu schildern. Auch dort, wo von „Fleisch und Bein“ die Rede ist, geht es letztlich um spirituelle Vorgänge.

Eine Analyse entsprechender Bibel-Passagen zeigt: Wo Jesus von seiner „Auferstehung“ spricht, geht es um die Wiederherstellung seines physischen Leibes nach dem Leiden.

FÜNF ARTEN VON AUFERSTEHUNG. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung sind in der Bibel fünf Arten von Auferstehung zu unterscheiden:

  1. die Erweckung von Toten oder Totgeglaubten wie etwa Lazarus (vgl. Jh 11,43-44).
  2. das Erheben der Seele aus dem „Grab“ des Körpers, der dann wie tot erscheint. Der Mensch setzt sich aus einem äußeren und einem inneren Aspekt zusammen: Körper und Seele. Diese beiden Elemente durchdringen einander so sehr, dass sie wie eine Einheit wirken, die als personales Ich empfunden wird. Tatsächlich setzen sich die meisten Menschen mit dem Körper gleich. Durch Yoga-Praxis ist es aber möglich, den gordischen Leib-Seele-Knoten zu lösen und die Seele als vom Körper unabhängige Wesenheit zu erfahren.
  3. der Aufstieg von niederen in höhere Bewusstseinsformen. Der Artenreichtum des irdischen Lebens geht auf eine Vielfalt unterschiedlich hoher Bewusstseinsformen zurück. Die höchste davon ist in der Spezies Mensch inkarniert. Mineralien und Pflanzen nehmen auf dieser Skala den untersten Rang ein. Hingegen umfasst das Tierreich eine große Bandbreite an Bewusstseinsformen, vom Insekt bis zum höheren Säugetier. Dazu gehören auch Mischformen wie etwa die Muschel, deren Gehäuse aussieht wie ein Mineral. Aufgrund des Gesetzes der Reinkarnation ist es möglich, dass niedere Lebewesen in höhere Arten übergehen.
  4. die Erlösung von der Wiedergeburt. Wenn die Seele nach vielen Inkarnationen die Erlösung erlangt und den Kreislauf der Geburten und Tode verlässt, erfährt sie die letzte, „große“ Auferstehung von den Toten.
  5. die Erscheinung Heiliger in der Vision. Nur Heiligen ist es möglich, unabhängig von ihrem physischen Körper anderen Menschen in der Vision zu erscheinen. Auch hier übersteigt die Seele ihre physischen Grenzen, indem sie sich dem inneren Selbst eines anderen offenbart.

Sämtliche Formen der Auferstehung, so verschiedenartig sie auch sind, stehen in Zusammenhang mit dem inneren Weg und werden durch die Kraft des Heiligen Geistes bewirkt, sei es in Form von Licht und Klang oder als Manifestation des göttlichen Wortes.

DIE AUFERSTEHUNG CHRISTI. Was die Auferstehung Christi angeht, so galt er nach seiner Kreuzigung als tot, wurde anschließend aber lebend gesehen. So wird es in den Evangelien berichtet. Jahrhunderte lang glaubten die Christen, dass Jesus den Kreuzestod starb und später mit Leib und Seele in den Himmel fuhr.

Seit einigen Jahren stößt diese Darstellung mehr und mehr auf Widerspruch: Christus sei zwar ans Kreuz geschlagen worden, habe die Kreuzigung aber überlebt. Dies ist sicher eine Frage, die einer genaueren Prüfung bedarf, hier jedoch nicht weiter ausgeführt werden kann (vgl. Titel-Tipp). Eine nähere Betrachtung der Bibel- Passagen, die von der Zeit nach der Kreuzigung berichten, stützt jedenfalls diese Vermutung.

Das Zeugnis der Engel. So heißt es bei Lukas: „Aber auch einige Frauen aus unserer Mitte haben uns in Bestürzung versetzt. Vor Tagesanbruch waren sie beim Grabe und fanden seinen Leib nicht. Sie kamen und erzählten, sie hätten auch eine Erscheinung von Engeln gehabt: Sie sagten, er lebe“ (Lk 24,22-23). Da Engel Erscheinungsformen Gottes sind, können sie nichts als die Wahrheit sprechen, und die lautet: „Christus lebt.“ Dieses göttliche Zeugnis allein würde schon genügen, um die Theorie des Kreuzestodes zu widerlegen.

Das Zeugnis der Jünger. Wenig später hören wir von den „Elfen (d.h. von den nach Judas’ Verrat verbliebenen elf Jüngern) und ihren Gefährten“: „Wahrhaftig, der Herr ist auferweckt worden und dem Simon (Petrus) erschienen“ (Lk 24,39). Bald darauf sehen ihn alle „in Fleisch und Bein“ (vgl. Lk 24,39), das heißt nicht als „Geist“ (vgl. Lk 24,39), sondern als lebenden Menschen.

Das Zeugnis der Schriften. Bei dieser Gelegenheit beruft sich Jesus auf die Schriften: „So steht es geschrieben, dass Christus leiden und am dritten Tage von den Toten auferstehen werde“ (Lk 24,46). Diese Prophezeiung findet sich an mehr als einer Stelle des Neuen Testaments und wird gewöhnlich als Hinweis auf Jesu leib-geistige Auferstehung verstanden. Eine Analyse der betreffenden Passagen fördert allerdings ein anderes Ergebnis zu Tage: Wenn Jesus in diesem Sinne von der Auferstehung spricht, geht es immer um die Wiederherstellung seines physischen Leibes nach dem Leiden.

WIEDERHERSTELLUNG DES LEIBES. Ganz deutlich wird dieser Sinn im Johannes-Evangelium: „Jesus antwortete und sprach zu ihnen: <Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.> Da sagten die Juden: <Sechsundvierzig Jahre ist an diesem Tempel gebaut worden, und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?> Er redete aber vom Tempel seines Leibes“ (Jh 2,19-22). Hier liegt eine klare Beschränkung auf die körperliche Ebene vor. Jesu Botschaft lautet mit anderen Worten: „Zwar wird mein Leib zu Schaden kommen, doch werde ich am Leben bleiben und nach drei Tagen wiederhergestellt sein.“

Dass er sich drei Tage in einer Art Höhle würde verbergen müssen, erklärte er an Hand eines Vergleichs mit dem Propheten Jona: „Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Seeungeheuers war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein“ (Mt 12,40). Nach Ablauf dieser Frist lässt er den Jüngern sagen, wo sie ihn wiederfinden können: „Der Engel jedoch begann und sprach zu den Frauen: <...geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist von den Toten auferweckt worden. Und siehe, er geht euch voran nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen>“ (Mt 28,5-7). Auf diese Weise gibt Jesus den Jüngern zu verstehen, dass er nach wie vor am Leben ist, auch wenn es zunächst nicht den Anschein hatte. Die Frauen können sich davon im Übrigen gleich überzeugen (vgl. Mt 28,9-10).

KEIN WUNDER. Nun fragt es sich, wie es unter diesen Umständen überhaupt zu der frommen Mär von Auferstehung und Himmelfahrt kommen konnte. Die Antwort ist ganz einfach: Wenn die Obrigkeit herausgefunden hätte, dass Jesus noch am Leben war, hätte man ihn erneut verfolgt. Um das Verschwinden seines „Leichnams“ zu erklären, setzten seine Jünger das Gerücht in die Welt, er sei von den Toten auferstanden. Durch das Zeugnis des Engels wissen wir jedoch zweifelsfrei, dass Jesus die Kreuzigung überlebte. Das Wunder (und spätere Kirchendogma) diente also nur zu seinem Schutz.
Im April-Heft folgt: 2. Mythos „Himmelfahrt“

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