VERSCHNAUFPAUSEN FÜR DIE SEELE
Aussteigen aus der Zeit – Das Leben entschleunigen
Veränderung ist in der Tat der Motor der Zeit. Am Wandel, an Veränderungen erkennen wir, dass Zeit überhaupt verstreicht. Unser Zeitempfinden hängt mit der Wahrnehmung von Veränderung zusammen. Dort, wo sich nichts verändert, steht die Zeit still. Veränderung gehört aber zum Wesen des Lebens. Allein durch Atmung, Stoffwechsel, Bewegung und – ja, durch unser Denken und Wahrnehmen verändern wir uns selbst und treiben unsere persönliche Zeit voran. Andererseits verursachen wir durch unsere nach außen greifenden Handlungen die Veränderungen in der äußeren Welt. Damit sind wir selbst verantwortlich für das Tempo, mit dem sich unser kollektives Leben wandelt.
Die schleichende Entmachtung, den Verlust der selbstbestimmten Verfügung über unsere Lebens-Zeit merken wir kaum, so sehr sind wir bemüht, mit dem vorgegebenen Tempo Schritt zu halten.
Menschengemachte Beschleunigung
Dank der Entwicklungen in Technik, Telekommunikation, Transport und der Computerisierung verändert sich unsere gemeinsame Welt immer rascher und mit Konsequenzen für das gesamte globale Gefüge. Gefördert wird diese Beschleunigung von dem Glauben an die Notwendigkeit von „Wachstum“ und „Fortschritt“. Effektivität ist die Maxime: immer mehr leisten, schaffen oder auch produzieren in immer kürzerer Zeit.
Dieses Effektivitätsdenken und die damit verbundene künstliche Verknappung der Zeit bestimmen aber nicht nur die Erwerbsarbeit, sondern auch das Privatleben. Als reiche der Termindruck im Geschäftsleben oder Büro nicht aus, wird auch die Freizeit von der Philosophie des Immer-mehr bestimmt. Der Terminplaner fürs Familienleben wird immer voller. Ein Überangebot an „interessanten“ Freizeitfüllern verlangt nach unserer Aufmerksamkeit und reger Teilnahme.
Infolge dieser gemeinsamen Überzeugung leben wir in einem Dauerzustand der Eile und Anspannung, um unser Soll oder Ziel zu erfüllen. Die schleichende Entmachtung, den Verlust der selbstbestimmten Verfügung über unsere Lebens-Zeit merken wir kaum, so sehr sind wir bemüht, mit dem vorgegebenen Tempo Schritt zu halten. Hinzu kommt Unzufriedenheit mit dem gegenwärtigen Status quo – wir wollen ja Immer-mehr machen, leisten, genießen, haben und verlieren darüber das Gespür für das natürliche Maß, unsere natürlichen Bedürfnisse und die natürliche Zeit. Immer mehr Wahlmöglichkeiten in Beruf und im Privaten tragen dazu bei, das Leben noch komplizierter zu machen – das verunsichert, verwirrt, erschwert die Orientierung, verzerrt den Blick für das Wesentliche.
Damit wir uns nicht missverstehen: Effektivität und Fortschritt sollen hier nicht verteufelt werden. Der Mensch ist mit großartigen Fähigkeiten ausgerüstet, darunter einer wunderbaren Schöpfer- und Gestaltungskraft, die er zur Optimierung seiner Lebensverhältnisse einsetzen soll. Aber wenn der Fortschritt dem Menschen nicht mehr dienlich ist, sondern sich verselbständigt (Fortschritt um des Fortschritts willen), muss er hinterfragt und korrigiert werden. Und wenn effektive Zeitnutzung – im Privatleben oder im Beruf – zur krankmachenden Hyper-Beschleunigung entartet, muss die Notbremse gezogen werden. Daher die aktuell hohe Nachfrage nach Ratgebern zum Entschleunigen und Enthetzen.
Wir hoffen, Sie finden diese Vorschau auf den Artikel aus dem Magazin VISIONEN interessant!
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