Das Geheimnis vom Leben und Sterben
Ein psychologisch-spirituelles Kosmogramm von Elisabeth Kübler-Ross
Ihr höchstes Ziel
Bereits im frühen Alter hatte Elisabeth Kübler-Ross den tiefen Wunsch, Ärztin zu werden, was ihr gegen den Willen ihres Vaters auch gelang. In ihrem Radix stehen vier Planeten an den Talpunkten des Hauses, d.h. dass sie ein besonderes inneres Potential besitzt im Beraten, Helfen und Heilen. Ihre innerste Ausrichtung als Arzt war vor allem, ein gefühl- und liebevoller Mensch zu sein. Der Mond am Talpunkt in seinem Zeichen Krebs und in seinem 4. Haus, sowie Neptun vor dem Talpunkt im 6. Haus, das dem Du (Deszendenten, DC) zugewandt ist, symbolisieren Liebe und Hingabe.
Ihrem inneren Gepür folgend, ging Elisabeth Kübler-Ross 1958 als junge Ärztin mit ihrem Mann von Zürich nach New York. Nach vier Jahren Aufenthalt in Amerika war es ihr bewusst, dass sie neue Wege gehen musste. In ihrem Radix (s. Abb.) bilden ausschließlich Strichfiguren ein kardinales Aspektbild, welches zusammen mit Uranus und Mars im kardinalen 1. Haus ein ständiges Nach-vorne-Streben bedingt. Die Planeten Saturn und Jupiter stehen an den Spitzen der Aspektfigur sehr exponiert und stellen Ziele im Leben dar. Saturn im Skorpion am Ende des 8. Hauses will den Stirb- und Werdeprozess ergründen und wissenschaftlich z.B. durch Erfahrungsberichte darstellen. Das ist Elisabeths höchstes Ziel.
Ein starker Wille
Eine besondere Stellung nimmt Uranus ein, der an der so genannten kosmischen Spalte zwischen Widder und Fische steht. Hier ist er, der Forscher zwischen den Welten, zwischen Anfang und Ende, Leben und Sterben - die Hauptausrichtung von Elisabeth Kübler-Ross' Forschungsprojekten. Sie fühlte sich berufen, hierfür alle ihre männlichen Kräfte einzusetzen (enge Konjunktion Pluto/Sonne und spitzenscharfes Quadrat Sonne zu Mars), um Probleme in ihrem Tätigkeitsbereich in der Tiefe anzugehen und umfassende Lösungen im Umgang mit Sterbenden aufzuzeigen.
Und sie hatte hierzu die absolute Kraft und einen unermesslichen Willen (exakte Konjunktion von Sonne mit Mondknoten und Mars Quadrat Mondknoten). Der Mondknoten ist ein sensitiver Punkt im Horoskop und führt immer schnell aus Schwierigkeiten heraus. Er macht den ersten Schritt und schafft damit die Möglichkeit, Probleme schnell und umfassend zu lösen, besonders unter Einbezug von transpersonalen und spirituellen Ansätzen (Pluto Konjunktion Mondknoten). Merkur steht exponiert in seinem 6. Haus nahe am Du (Deszendent, DC). Mit Neptun zusammen ist er ein einfühlender Helfer, der durch empathisches Verstehen mit besonderer Hingabe einen dienenden Weg für Heilung bereitet.
Das Geheimnis des Sterbens
Nach ihrer Fachausbildung zum Psychiater (1960) begegnete Elisabeth Kübler-Ross 1963 in Denver dem Psychiater Dr. Sydney Morgalin, der sich mit veränderten Bewusstseinszuständen mittels Hypnose beschäftigte. Dr. Morgalin übertrug ihr bald einen Teil seiner Vorlesungen, und hierbei erkannte sie das wichtigste Thema in der Psychiatrie und überhaupt im Leben: Das Geheimnis des Sterbens. Denn nur wenn wir das Sterben begreifen, können wir leben - ein Grundsatz der modernen transpersonalen und spirituellen Psychologie. Ansonsten erleben wir Angst, Gier, Wut, Hass und Gewalt, wie uns das in vielen Bereichen unserer heutigen Welt widergespiegelt wird.
Mit Linda, einem bildhübschen jungen Mädchen von 16 Jahren, das Leukämie hatte und dem Tod nahe war, beeindruckte Elisabeth Kübler-Ross in einer Vorlesung durch eine direkte persönliche Konfrontation mit dem Schicksal des todgeweihten Mädchens die Studenten. Sie erregte deren Mitgefühl, und das Hervorbrechen der tief verdrängten Gefühle entfachte bei ihnen spontan eine große innere Betroffenheit mit darauf folgender Erleichterung.
„Der Tod ist lebenswichtig“ – sterben lernen heißt leben lernen. Im Grunde geht es dabei immer um Prozesse des Loslassens und Annehmens.
Zwei Extreme
1965 übernahm sie eine Professur an der Universität in Chicago. Dort wurden ihre Vorlesungen mit integrierten Interviews von Sterbenden sehr bekannt, denen bald eigene Workshops folgten. Zwischendurch, etwa 1970, wollte sie aufhören, um sich mehr ihrer Familie, besonders den beiden Kindern, zu widmen, aber sie spürte innerlich, dass sie unbedingt weitermachen müsse mit ihren Forschungen. Über das Thema „Das Geheimnis des Sterbens“ (Saturn im Skorpion und 8. Haus) gab sie Seminare, zu denen sie inzwischen weltweit eingeladen wurde.
Elisabeth Kübler-Ross lebte zwei Extreme in ihrem Leben, einerseits hatte sie eine total weiche und hingebungsvolle Seite und andererseits konnte sie extrem hart sein gegen sich selbst und auch in ihrer Arbeit, indem sie immer fast Unmögliches wagte und dabei die Menschen motivierte, mitzumachen. Im Horsokop zeigt sich das einmal an der Stellung der vier weiblichen und sensitiven Planeten an den Talpunkten, sowie an der Stellung der männlich- harten Planeten Sonne, Pluto und Mars in der Nähe der Häuserspitzen.
Es gibt keinen Tod
Prof. Dr. Kübler-Ross kam aus der Medizin und erfuhr durch ihre jahrelangen, intensiven Erfahrungen mit Sterbenden neue grenzüberschreitende Einsichten. Ihre Lehrmeister in ihrem Leben waren weniger Professoren, sondern auch eine Putzfrau, und neben den sterbenden Patienten vor allem die unbeschwert diese Welt verlassenden Kinder, die den Tod kennen und mehr wissen als die Erwachsenen, denn sie unterdrücken ihre Gefühle nicht.
Elisabeth Kübler-Ross machte die bedeutende Erfahrung: „Die Ärzte haben die größte Angst vor dem Tod.“ Sie sehen ihn als eine Niederlage für ihre Arbeit und damit für sich selbst und versuchen deshalb oft mit allen Mitteln, den Tod zu verhindern, gegen den Willen vieler ihrer Patienten, die gerne gehen möchten. In den früheren Kulturen war der Tod immer ein Höhepunkt des Lebens, weil die Seele mit entsprechender Begleitung in eine höhere Dimension eintreten kann. Das war ein Freudenfest für die Seele, die die enge materielle Hülle des Körpers verlassen konnte.
Eine wesentliche Aussage von Elisabeth Kübler-Ross lautet: „Es gibt keinen Tod.“ Sie hat den Tod enttabuisiert, nachdem sie in ihren umfangreichen Forschungen mit über 20.000 Fallgeschichten, besonders mit reanimierten Patienten, feststellen musste, dass die Existenz eines Lebens nach dem Tod eine Tatsache ist.
Liebe als Lebenssinn
Der Tod, von dem die Wissenschaft ausgeht, existiert in Wahrheit nicht. Der so genannte Tod ist ein Hinübergehen in einen anderen Bewusstseinszustand, wo alle unsere Sinnesorgane funktionieren und wo wir uns psychisch weiter entwickeln können. In ungezählten Stunden hat Elisabeth Kübler-Ross an den Betten von Sterbenden sowie von vielen reanimierten Menschen diese Erfahrung machen dürfen. Jeder, der aus der jenseitigen Welt durch Reanimation wieder zurückkam, hatte nach ihrer Erkenntnis die gleiche spirituelle Erkenntnis erfahren: „Der Anblick des Lichtes hatte sie gelehrt, dass es nur eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens gibt, und diese Antwort lautet: Liebe.“
Elisabeth Kübler-Ross nennt den so genannten Tod einen Reifungsprozess für das Leben und nimmt ihm damit den Schrecken, der in der abendländischen Kultur noch tief verankert ist. Die Würde der sterbenden Menschen wird durch ihre umfassenden Forschungen wiederhergestellt, denn normalerweise sind uns die Sterbenden an Weisheit und Lebensreife voraus, wie sie sagt.
Alle ihre Arbeiten basieren immer auf ihrer unmittelbarer Erfahrung. Sie schreibt: „Die moderne Medizin hat sich zu einer Art Prophet entwickelt, der uns ein Leben ohne Schmerz verspricht. Das ist Unsinn. Das einzige, was meines Wissens die Menschen wirklich heilt, ist die bedingungslose Liebe.“ Müssen wir dem Tod, dem angeblich größten Feind, erst selbst ins Auge schauen, um zu erkennen, dass er unser bester Freund ist?
Das Ende als strahlender Neubeginn
„Sterben lernen = Leben lernen“ ist der Titel eines der vielen Bücher von Elisabeth Kübler- Ross. Im Grunde geht es immer um Prozesse des Loslassens und Einverstandenseins. Wir müssen die Angst vor dem Sterben und Tod verlieren, um wirklich frei leben zu können, d. h. das Sterben ist als ein wesentlicher Teil des Lebens aufzufassen. Sie sagt: „Der Tod ist lebenswichtig, und es ist das größte Geheimnis, das uns nach dem Tod erwartet.“
Elisabeth Kübler-Ross erstes, im Jahre 1969 erschienenes Buch „Interviews mit Sterbenden“ hat ein weltweites Echo ausgelöst, und ihre Arbeit hat die Hospizbewegung, die Sterbebegleitung und die Selbsthilfegruppen für trauernde Angehörige mitinitiiert. Sie sprengte alle Grenzen zwischen Leben und Tod. Das symbolisiert in ihrem Horoskop vor allem Uranus an der kosmischen Spalte zwischen Fische und Widder.
Elisabeth Kübler-Ross hat in ihrem Leben über 20 Bücher geschrieben, die in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurden, und sie wurde an 23 Universitäten mit der Ehrendoktorwürde geehrt. Sie ist damit eine der von der Wissenschaft am meisten ausgezeichnete Forscherin.
Nach vielen Jahren der Innenkehr durfte Elisabeth Kübler-Ross am 24. August 2004 endlich den Weg gehen, dem sie ihr gesamtes Leben gewidmet hatte und der sie weltberühmt gemacht hat. Sie konnte „abheben“ in eine andere Dimension.

