Das wahre Glück der Seele
Sein Dasein genießen wie Gott
VORGESTELLT. Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), einer der bedeutendsten europäischen Philosophen, wurde vor 300 Jahren geboren. Dass Philosophen mehr als „Denker“ sind und ihre Erkenntnisse oft aus tieferen, intuitiven Quellen schöpfen, legen die folgenden Erinnerungen eindrücklich nahe.
DAS VERGÄNGLICHE GLÜCK. In den Wechselfällen eines langen Lebens habe ich Folgendes festgestellt: Genau besehen sind es nicht etwa die Momente höchster Wonne, an die ich mich besonders oft und gern erinnere. Diese kurzen Momente der Leidenschaft und Lust sind vielleicht erregend, bleiben aber eben aufgrund ihrer Heftigkeit bloß einzelne, streng isolierte Punkte auf meiner Lebenskurve. Um einen Zustand zu bilden, sind sie zu selten und zu vergänglich.
Das Glück, dem mein Herz am stärksten nachtrauert, setzt sich auf jeden Fall nicht aus solchen flüchtigen Momenten zusammen. Es besteht vielmehr in einem einfachen, anhaltenden Zustand, der in sich nichts Ungestümes hat, dessen Reiz jedoch gerade durch seine Dauer gesteigert wird – so sehr, dass man darin das höchste Glück findet.
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