
Zwei Energien im Widerstreit
Transformation und Wandlung sind wichtige und unvermeidliche Veränderungen auf unserem Entwicklungsweg. Wann immer im persönlichen Lebenslauf Veränderungen anstehen, gehören die astrologischen Energien um Skorpion/Pluto zu den treibenden Kräften.
Pluto und Saturn aktuell
Pluto in Steinbock: seit Anfang 2008 bis Ende 2023
Kernthemen: Natürliche Wachstumszyklen, Evolution, Streben nach tiefster Wahrheit (Naturgesetze, seelische Anlagen), Auflösung von Karma; Aufdecken von Tabu-, Missbrauchs-, Macht und Ohnmachts-Themen in kollektiven Strukturen wie Politik, Wirtschaft oder Wertsystemen.
Negative Behaftung: Zerstörung
Saturn in Skorpion: seit Oktober 2012 bis September 2015
Sensible Themenbereiche: Verantwortung, Stabilität, Zielsetzung, Struktur, Reduktion, Begrenzung. Streben nach objektiver Wahrheit (Recht, Moral, Ethik), festhalten, konservieren bezüglich Vollendung, Status und Privileg.
Negative Behaftung: Verhinderung
Die evolutionären Prozesse
Jedes irdische Leben unterliegt Entwicklungsschritten, die oft evolutionäre Prozesse mit sich bringen. Je nach Natur und energetischer Dynamik werden Fortschritt und Wandlung dabei sehr unterschiedlich wahrgenommen. Auf biologischer oder organischer Ebene werden sie meist recht gut erkannt, so etwa beim natürlichen Wachstum der Pflanzen oder im jährlich wiederkehrenden Zyklus der Laubbäume. Naturgemäß bereitet uns dagegen der Verlauf in den subtileren, feinstofflichen Bereichen mehr Mühe.
Was auch immer der Wandlung und Transformation unterliegt, ist astrologisch eng ans Energiefeld des achten Prinzips um Skorpion, Pluto und das 8. Haus gebunden. Dazu gehören die psychologischen Dimensionen, Geist und Intellekt oder Bewusstsein. Schließlich beeinflussen die Vorgänge auch den Selbsterhaltungstrieb, der dafür sorgt, dass der im Grundhoroskop angelegte individuelle Lebensplan zum Erblühen kommt.
Das dabei geweckte schlummernde Potential arbeitet, dem Gesetz der Evolution folgend, sehr zukunftsorientiert. Konflikte um Besitzstand und Vergangenheit sind somit logischer Teil des Programms! Aufgrund unserer sozialen und kulturellen Einbindungen unterliegen wir den Einflüssen dieser kollektiven Systeme. So ist auf den unterschiedlichsten Ebenen dafür gesorgt, dass Veränderungen unaufhörlich ihren Lauf nehmen.
Pluto – ein Zerstörer?
Wenn sich eine Wandlung anbahnt, werden uns falsche oder überholte Erwartungshaltungen auf schmerzliche Weise bewusst gemacht. Neben dem Druck, etwas loslassen zu müssen, kommt zur Verlusterfahrung am Ende auch noch der Schmerz der Enttäuschung hinzu – wir stecken in einer Krise!
Die verschiedenen Nebenwirkungen bescherten Pluto den zweifelhaften Ruf eines „Zerstörers“, aber nur, weil sich stets jene Kräfte gegen ihn auflehnen, die sich dem natürlichen und notwendigen Entwicklungsprozess widersetzen. Damit werden Polarisierungen und Blockaden provoziert, durch die die Zerstörung eine mögliche Folge, aber niemals das Ziel ist! Wandlung bedingt neben Veränderung und Integration von Neuem stets auch Überwindung und das Zurücklassen von Althergebrachtem – ob freiwillig oder erzwungen! Ist es daher nicht eher eine Frage von Standpunkt und Bewusstsein, ob man dem evolutionären Pluto oder dem boykottierenden Saturn die Verantwortung für eine erfolgte Zerstörung zuschiebt oder Transformationsprozesse als Chance zur persönlichen und spirituellen Entwicklung annimmt?
Wenn wir letzteres schaffen, können wir auftretende Schwierigkeiten um einiges differenzierter angehen. Die Krise wird mit wachsender Selbsterkenntnis zur herausfordernden Aufgabe und führt längerfristig dazu, in der vertrauter werdenden inneren Stimme den wahren Gewinn für die Zukunft zu finden.
Saturn – am Beginn der Krise
Sobald Saturn, der Herr über Erfolg und Gipfelerlebnisse, ins Spiel kommt, wird absehbar, wie und woran wir bedingungslos festhalten, uns abgrenzen oder uns an Altbekanntes klammern. Genau darin besteht Plutos Herausforderung! Er wird uns lehren, dass außer stetem Wandel nichts im Leben auf Dauer und für die Ewigkeit angelegt ist und dass jedem Ende ein Neubeginn innewohnt. Je länger wir zu Saturn halten, umso schmerzlicher und verlustreicher wird der Umbruch verlaufen. Verlust und Trennung werden in unserer materiell orientierten Welt sehr emotional beklagt und in der persönlichen Bilanz schnell als ungerecht gewertet. Wo Saturn und Pluto die Klingen kreuzen, wenn die saturnische Schwere den plutonischen Vorwärtsdrang zu drosseln versucht, gehören am Beginn einer Krise Unsicherheit und Angst zu den naheliegenden Reaktionen.
In einer Krisensituation kann schon entlastend wirken, sich auf die „Alte Weise“, Saturns spirituelle Intelligenz, zu besinnen. Die Erinnerung an eigene Qualitäten von Selbstverantwortung, innerer Autorität, Würde oder Einmaligkeit wird meist helfen, Unvermeidliches in erträglichere Bahnen zu lenken.
Die Einsicht
Je bewusster wir uns der Krise stellen, desto weniger blockieren wir Energie durch Festhalten und umso mehr können wir in die Wandlung investieren. Eine aktiv mitgeprägte Überwindung stärkt letztlich auch unser Bewusstsein. Es wird zu einer immer stärkeren inneren Kraftquelle, die auf erarbeiteten Einsichten beruht und weniger durch aufgezwungene Unabdingbarkeiten geprägt ist.
Auch wenn zu transformativen Prozessen auf die eine oder andere Weise immer lähmende Ängste und schmerzliche Erfahrungen gehören, wird der Moment kommen, wo die Widerstände erlahmen. Weil eingeschliffene Verhaltensmuster meist länger nachwirken, als uns lieb sein kann, werden wir noch länger vor Rückschlägen nicht verschont bleiben. Aber spätestens, wenn wir einsehen, wie destruktiv oder selbstzerstörerisch es sein kann, nur der guten alten Zeit nachzutrauern, werden wir unseren Blick vermehrt nach vorne richten und die Wandlung und ihre Auswirkungen als neue Realität akzeptieren.
Kollektive Prozesse
Mit einem Blick auf die letzten Jahre stellen wir fest, dass mit Plutos Wechsel ins Zeichen Steinbock im Jahre 2008 (siehe Kasten) weltweit auf vielen Ebenen immense Krisen ausgelöst wurden (Banken, Weltwirtschaft, Politik etc.). In diesen sechs Jahren sind etliche wirtschaftliche und politische Systeme in Schieflage geraten oder durch ungeahnte Skandale erschüttert worden. Bestehende Strukturen, an denen die längste Zeit über kaum gerüttelt werden konnte,
stehen seither unter massivem Wandlungsdruck.
Wie sich nun zeigt, weicht das kollektive Krisenverhalten kaum vom Verhalten des Einzelnen ab. Wo sich politische, materielle oder wirtschaftliche Macht konzentriert, reagiert bei Gefahr sofort der Reflex des spontanen Widerstandes. Ganz in saturnischer Manier wird durch massive geistige oder reale Abwehrmauern versucht, Errungenschaften und Privilegien zu schützen und zu bewahren.
Wenn auch in kürzester Zeit doch schon etliche Reformen und innovative Prozesse angestoßen wurden, tauchen immer neue Hindernisse und Widerstände auf. Die größten Krisenherde stecken in ihrer Entwicklung noch zutiefst im Stadium massiver Blockierung oder ernüchternder Rückschläge. Durch die tiefe Verankerung traditioneller Normen und Kulturen oder übermächtiger Interessengemeinschaften (Lobbys) erweisen sich kollektive Strukturen gegen Veränderungen als außerordentlich resistent. Der „Alten Weisen” erwächst kollektiv wohl besonders harter Widerstand!
Weil die aktuelle Zeitqualität dennoch stark auf Wandlung hindeutet, müssen wir für die wirklich evolutionären Wachstumsschritte auch auf die unterstützende Dynamik anderer vorwärtsgerichteter Energien wie Uranus, Jupiter und Mars vertrauen.
Paul Gillmann
Paul Gillmann, 1950-2021 in Bern (CH) geboren, arbeitete als astrologisch-psychologischer Lebenscoach.
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