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Spirituelle Widersprüche, meisterhaft gelöst

Der spirituelle Pfad wird oft mit Worten erläutert, die widersprüchlich scheinen, zum Beispiel als leicht und als schwer. Bei näherem Hinsehen erweisen sich diese Gegensätze aber als gleichermaßen gültige Beschreibungen aus verschiedenen Blickwinkeln

Der spirituelle Weg wird manchmal als leicht und dann wieder als schwer bezeichnet. Was stimmt denn nun?

Erstens ist der spirituelle Pfad von Haus aus leicht, da er von Gott als gerader Pfad angelegt ist, der auf kürzestem Weg zum Ziele führt.

Zweitens ist er grundsätzlich leicht, weil er nicht auf Willensanstrengung beruht, sondern auf Hingabe. Und er ist grundsätzlich schwer, weil wir von irdisch geprägten Menschen zu spirituellen Menschen heranreifen müssen, und zwar in einem weltlich gesinnten Umfeld, das diesen Prozess in keiner Weise unterstützt.

Drittens ist der spirituelle Pfad leicht in dem Maße, wie wir unsere Aufmerksamkeit nach innen gerichtet halten, und er ist in dem Maße schwer, wie wir sie nach außen schweifen lassen. Haben wir unsere Aufmerksamkeit beim Meister (bzw. bei Gott, der durch ihn wirkt), werden wir zum Beispiel vor Schwierigkeiten gewarnt und bewahrt. Haben wir unsere Aufmerksamkeit draußen bei der Welt, treffen wir Entscheidungen, die uns unnötige Probleme einbringen.

Wie leicht oder schwer der Pfad für uns ist, hängt viertens davon ab, wie weit wir bei jedem Schritt in Gottes Führung einwilligen: Wir können uns von seiner Hand leiten oder widerspenstig des Weges ziehen lassen.

  

Es heißt auch, das Gemüt sei unser Feind und unser Freund. Was stimmt denn nun?

Das Gemüt ist unser Feind, solange es uns daran hindert, nach innen zu gehen und dort zu verweilen. Und es ist unser Freund, wenn es uns in diesem Bestreben unterstützt.

Darum riet mein Meister Sant Kirpal Singh, wir sollten uns das Gemüt zum Freund machen, indem wir ihm gut zureden, es für seine Mitarbeit anerkennen und es konsequent und geduldig dazu erziehen, uns auf unserem Weg nach innen zu begleiten. Möchte es zum Beispiel lieber Spaß haben als meditieren, können wir es ermuntern, ein bisschen zu warten: „Erst meditieren wir, dann bekommst du, was du willst.“ Begreift es, dass es bei diesem „Handel“ langfristig gewinnt – indem es innen eine innere Zufriedenheit erfährt, die jedes äußere Vergnügen übertrifft –, wird seine Folgsamkeit zunehmen.

  

Sant Kirpal Singh sagt einmal, Gott liebe sowohl die Schüler, die sich selbst helfen, als auch die Schüler, die sich nicht selbst helfen. Was stimmt denn nun?

Damit unterschied er zwei Arten von Schülern: Die einen vertrauen ausschließlich auf Gott, da sie bereits erkannt haben, dass nichts in ihrer eigenen Macht steht und alles in Gottes Hand. Sie helfen sich daher nicht länger selbst, sondern überlassen sich vollkommen seiner Führung.

Die anderen stützen sich lieber auf ihre eigenen Kräfte und Fähigkeiten. Für sie gilt: „Gott hilft auch denen, die sich selbst helfen, aber erst dann, wenn sie sich vor lauter Anstrengung selbst vergessen und schließlich nicht mehr weiter wissen. Welcher Weg von beiden ist wohl der leichtere?“

den Satz „Gott hilft denen, die sich selbst nicht helfen“ als Aufforderung missverstehen, ihm auch die Bemühungen zu „überlassen“, die sie selbst dazu tun müssen, um Gottes Hilfe herbeizurufen. Denn Bemühung und Gnade gehen immer Hand in Hand. Solche Schüler mussten sich zuweilen von meinem Meister sagen lassen: „Soll ich euch etwa alle auf meinen Schultern nach Hause tragen?“ In diesem Fall dient der Satz „Gott hilft denen, die sich selbst helfen“ als Ansporn, die Voraussetzungen, die jeder einzelne zu seinem Fortschritt beitragen muss, auch selbst zu erfüllen, statt sie dem Meister aufzubürden.

Soami Divyanand

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