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Die anthroposophischen Werte, auf denen das Unternehmen Weleda vor 100 Jahren gegründet wurde, sind heute aktueller denn je.

Ein hohes Tor aus geflochtenen Weidenruten führt in den Weleda Heilpflanzengarten zu Füßen der Schwäbischen Alb, der sich mit 23 Hektar als den größten Europas bezeichnen darf. Hier finden sich rund 1000 verschiedene Pflanzenarten; 280 davon werden zu Arzneien weiterverarbeitet. Da darunter auch die giftigsten des Kontinents sind, wie der Blaue Eisenhut oder Gefleckter Schierling, wird der Garten nur für Führungen geöffnet. Vier bis fünf Blätter vom Eisenhut reichen, um einen Erwachsenen zu töten – doch wie überall macht auch hier die Dosis das Gift: Stark verdünnt wirkt er in Mitteln gegen Halsentzündungen oder Nervenschmerzen lindernd und heilsam.

Willkommen im Herzstück von Weleda. Die Marke, die Weltmarktführerin im Bereich anthroposophischer Arzneimittel und zertifizierter Naturkosmetik ist, feiert dieses Jahr ihr hundertjähriges Jubiläum. Namensgeberin Weleda (oder Velleda) lebte um 70 n. Chr. als germanische Heilerin und Priesterin; entsprechend legt das Unternehmen den Fokus auf Gesundheit, die allerdings nicht nur in der Heilung von Krankheiten erfahren, sondern auch durch die Stärkung des Organismus und die Pflege der Haut erhalten wird. Als unser größtes Organ trägt die Haut ganz wesentlich dazu bei, dass es uns gut geht, weshalb hier Gesundheit und Schönheit Hand in Hand gehen – ebenso wie Nachhaltigkeit und Transparenz, Natur und Mensch, Naturund Geisteswissenschaft.

Die Basis dafür wurde von Dr. Rudolf Steiner gelegt, dem Begründer der Anthroposophie, der Anfang der 1920er nicht nur Impulse für die biologisch-dynamische Landwirtschaft gab, sondern seine hellsichtigen Erkenntnisse auch auf die spirituelle Entwicklung des Menschen und auf die Medizin anwandte. Gesundheit in diesem Kontext wird nach dem Prinzip der Salutogenese nicht als Zustand, sondern als Prozess verstanden, wobei verschiedene schädliche und nützliche Faktoren in Wechselwirkung miteinander stehen. Nach Steiner genügt weder die Betrachtungsweise der Naturwissenschaft noch die der „gewöhnlichen“ Mystik für sich allein, um den menschlichen Erkenntnisprozess zu fördern. Die Anthroposophie gründet deshalb auf einer ganzheitlichen Betrachtungsweise, die den Menschen nicht nur als Einheit von Körper, Geist und Seele versteht, sondern auch als grundlegend verbunden mit Flora und Fauna, ja mit dem Kosmos schlechthin wahrnimmt. Steiner strebte in seiner Erkenntnistheorie einen harmonischen Einklang an. Die Ärztin Dr. Ita Wegman setzte diesen Ansatz bei der Gründung eines Klinisch-Therapeutischen Instituts 1921 im schweizerischen Arlesheim um – das erste Zentrum für Anthroposophische Medizin. Die von ihnen gegründete „Aktiengesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte“ in Stuttgart („Der Kommende Tag AG“) markierte mit dem Standort in Schwäbisch Gmünd die Geburtsstunde von Weleda. Jahre später kam der Garten im nahegelegenen Dorf Wetzgau hinzu.

Hier werden einige der wertvollen Rohstoffe für rund 120 Naturkosmetikprodukte und Diätetika wie auch 1000 Fertigarzneimittel angebaut. Darüber hinaus lässt Weleda die Heilpflanzen in acht weiteren Gärten weltweit anbauen, die nach denselben biologisch-dynamischen und ethischen Grundsätzen arbeiten, nach denen in der Schweiz und Deutschland produziert wird.

Weleda versteht die Unternehmensarbeit als einen Beitrag, den man für die Vision einer besseren Welt leistet: Ressourcenschonung, Erhalt der Biodiversität, partnerschaftliches Miteinander, Nachhaltigkeit und ganzheitliche Qualität; alles frei von Mikroplastik sowie genetisch veränderten oder mineralölhaltigen Rohstoffen. Für dieses ethische und wertschöpfende Wirtschaften wurde das Unternehmen vielfach ausgezeichnet. Weleda hat auch als eine der ersten Marken die neue UEBT-Zertifizierung erhalten, die einen hohen Standard für Nachhaltigkeit in Beschaffung und Nutzung von Rohstoffen bestätigt. Man legt größten Wert auf allerbeste Qualität – es käme nie in Frage, mit weniger hochwertigen und damit günstigeren Rohstoffen oder gar Ersatzstoffen billiger zu produzieren, um sich gegen einen niedrigpreisigen Mitbewerber zu behaupten. Auf einem immer härter umkämpften Markt positioniert sich die Marke auch mit dem zugrundeliegenden ganzheitlichen Ansatz, nach dem die Selbstheilungskräfte, die in Mensch und Natur liegen, angeregt werden. Weleda ist sich der eigenen Vorreiterrolle bewusst und hat nicht vor, sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen.

Zurück im Garten. Die größte Heilpflanze hier ist eine wunderschöne, freistehende Birke. An diesem Standort wird sie allerdings nicht beerntet; dafür hat man Haine in Polen, Deutschland und Tschechien, in denen die jungen, grünen Blätter gepflückt, zerhackt und mit Wasser zum Birkenursatz angesetzt werden. Der schwemmt aus und reinigt von innen wie auch außen, wie beispielsweise im Cellulite-Öl. Ein erhebender Anblick sind die leuchtenden CalendulaBlüten, die auf einem Feld nebenan angebaut werden und Grundlage für das beliebteste Weleda-Produkt darstellen: die Calendula Babycreme, die sich pro Jahr vier Millionen Mal verkauft. Von ihr bis hin zur Granatapfelserie für die reife Haut, die adstringierend und antientzündlich wirkt, decken die Produkte die verschiedenen Hautbedürfnisse aller Altersgruppen ab. Im Duftgarten betören rosa DamaszenerRosen und Heckenrosen, die großflächig in Chile und der Türkei angebaut werden und deren Früchte – die Hagebutten – für das sehr aufwändig herzustellende Wildrosenöl geerntet werden, das wunderbar bei Hautrötungen hilft. Verarbeitet wird gleich nebenan in der Tinkturenherstellung: Ölauszüge und Urtinkturen von Lavendel, der vor dem Garten in Form eines Labyrinths wächst, und Calendula. Diese räumliche Nähe nutzt man auch bei den so genannten „Apothekerschubladen“, wo jene Pflanzen zusammen angebaut werden, die in das gleiche Medikament kommen, etwa Hopfen und Hafer für ein Be ruhi gungs mittel. Der ebenfalls dazugehörige Kaffee (wir erinnern uns: die Dosis ist für die Wirkung entscheidend) kommt aus dem Gewächshaus im Garten.

Aus Sicht der biologisch-dynamischen Landwirtschaft ist der Garten ein Organismus, und allerhöchster Wert wird auf einen lebendigen, gesunden Boden gelegt. Deshalb setzt man weder Pestizide noch Insektizide ein, sondern versucht, alles mit natürlichen Mitteln und einigen grundlegenden Regeln im Gleichgewicht zu halten. Dazu gehört, dass man mit Laufenten gegen die Nacktschnecken angeht, Bienenstöcke aufstellt, auf einen sinnvollen Fruchtwechsel achtet, Feldern zwischendurch Erholung gönnt und mit Gründüngung arbeitet, wobei verschiedene Pflanzen wie Phacelia, Senf, Calendula und Hülsenfrüchte zusammen angebaut werden, um den Boden optimal auf die nächste Aussaat vorzubereiten. Es ist eine Spezialität der knapp 30 Gärtner*innen, für jeden Bedarf die richtige Mischung zusammenzustellen. Eine Person ist für den Kompost zuständig, der ebenfalls einen wichtigen Aspekt darstellt. In einer großen Anlage wird Mist von Pferden, Schafen und Kühen gemischt, denn laut Steiner muss auch immer etwas vom Tier in den Prozess integriert werden. Dazu gehören auch Präparate wie der bekannte Hornmist, bei dem Kuhmist in ein Kuhhorn gefüllt, über den Winter im Garten vergraben, dann eine Stunde lang in einem Fass mit Wasser gerührt und schließlich auf den Feldern ausgebracht wird. Ähnlich wie in der Homöopathie kommt es hier nicht auf die Wirkstoffe, sondern auf die Information an.

Sehr ungewöhnlich ist auch die „Vegetabilisierung von Metallen“, mit denen der anthroposophische Anbau arbeitet. So werden gelbe Heilpflanzen, wie Johanniskraut oder Löwenzahn, mit Goldstaub gedüngt, damit durch das Metall die Verbindung zu den Energien des jeweiligen Planeten, in diesem Fall zur Sonne, hergestellt wird. Die erste Vegetation dient dann als Kompost für einen zweiten Anbau der Pflanzen, dieser wiederum als Dünger für die dritte und letzte Vegetation, die dann in absoluter r Kraftfülle steht, was schon mit bloßem Auge zu erkennen ist.

Manches hier wird auch an nicht-anthroposophischen Orten umgesetzt: So fängt eine Zisterne das von den Gärtner*innen genutzte Wasser auf und bereitet es auf natürliche Weise wieder auf, dass es teilweise für die Befüllung der vier Teiche auf dem Gelände genutzt werden kann. Demeter, der älteste Bio-Verband Deutschlands, testet regelmäßig die Heilpflanzen auf rund 150 verschiedene Schadstoffeinlagerungen – und bestätigt damit, dass die Anbaumethoden nach den Regeln der Anthroposophie die gewünschte Wirkung zeigen.

Die Erforschung von Ähnlichkeiten zwischen Flora, Fauna und Mensch sowie die bewusste Wahrnehmung der Zusammenhänge, auf denen die Lehre nach Steiner basiert, ist eine Qualität von Liebe. Und das aktuelle Motto von Weleda lautet: „Entfalten von Gesundheit und Schönheit im Einklang mit Mensch und Natur.“ Dies geschieht im Bewusstsein von Respekt und Verantwortung – auch und vor allem der Natur gegenüber. In Zeiten von ungehemmtem Raubbau, Klimakrise, Erosion und Artensterben eine Haltung, die notwendiger ist als je zuvor.

Martina Pahr

www.weleda.de/
Der Garten kann auch virtuell besucht werden:
opengarden.weleda.de/360/

FOTO: © WELEDA Barbara von Woellwarth

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