Magazin Visionen - Einfach. Besser. Leben.

Noch niemals in meinem langen und reichen Leben schrieb ich eine Kolumne über Gott. Ich habe kein gutes Verhältnis zu diesem Wort. Mein Eindruck ist, dieses Wort führt in die Irre.

Einerseits nach außen, hin zu einem fremden, mächtigen, von uns Menschen mit Attributen überstülpten Wesen, das eher unserer menschlichen Phantasie entspricht als der Wahrheit. Daher ist das Wort „Gott“ eher ein Sammelsurium oftmals skurriler Projektionen. Von Menschen gemacht – und personalisiert. Andererseits: Die meisten Kriege dieser Welt waren und sind Religionskriege. Nicht nur zwischen Nationen, auch zwischen Familien,
manchmal sogar zwischen Familienmitgliedern.

Spiritualität versus Religion

Spiritualität ist in meinem Verständnis das persönliche Verhältnis jedes Einzelnen zum Größeren, das ich ungern Gott nenne. Sondern? Ich bevorzuge das „Göttliche“ als Begriff. Dieses Wort erleichtert es mir, mich selbst als Aspekt dieses Göttlichen zu erleben und vor allem das Göttliche als meinen Wesenskern zu erfassen.

So gesehen ist Spiritualität die intime Beziehung zwischen mir und MIR. Zwischen mir und dem Göttlichen Funken in mir. Werde ich gefragt, so rede ich gerne darüber – doch stets so, dass ich dabei meine Sicht deutlich mache. Diese ist vollkommen befreit auch nur vom geringsten missionarischen Anspruch. Oder gar von Rechthaberei. Wie gesagt: Es ist meine persönliche Beziehung zu jenem Größeren, das ich als göttlich empfinde. In einem reifen Dialog kann es spannend sein, verschiedene Sichten auszutauschen, um voneinander zu lernen. „Ah, so also siehst du das, lebst du das, integrierst du das. Das also ist dein Zugang, und das sind deine Rituale.“

Ganz anders Religion. Religion kann, muss jedoch nicht spirituell sein. Religion ist ein Regelwerk, meist durchzogen von rituellen Abläufen, die immer gleich aufgebaut sind und folglich ähnlich ablaufen. Wie der Ritus der Messe,  zum Beispiel. Während Spiritualität ohne Innenschau nicht denkbar ist, kann Religion sehr veräußerlicht sein. Religions-Streitigkeiten befassen sich immer mit unterschiedlichen Deutungen, und plötzlich schlagen sich Menschen die Köpfe ein für ihren Gott namens XYZ gegen einen anderen Gott namens ZYX.

Das Gebot der Bibel

Dort lesen wir: „Du sollst dir von mir, deinem Gott, kein Bild machen.“ Luther hat das Wort „Bild“ mit Gleichnis oder Bildnis übersetzt. Damit bewegen wir uns sowohl gedanklich wie sprachlich hin zu einem Gottesbegriff, der das Unsagbare adressiert und der auf das Formlose hinweist.

„Du sollst dir von Gott kein Bild machen“ – wie schön, wie erhaben, wie treffend ist das! Damit bewegen wir uns hin zum Allgegenwärtigen, zum Ewigen, zum Unnennbaren und wir könnten uns begegnen auch in dem Begriff TAO, das eben dieses Unsagbare wie eine Wortformel ausdrückt. Anstatt dem algebraischen Zeichen für Unendlichkeit das Wort TAO.

Das Tao

Durch die Jahrtausende klingen die Worte des großen Weisen: „Könnten wir weisen den Weg, es wäre kein ewiger Weg. Könnten wir nennen den Namen, es wäre kein ewiger Name.“ So ist das TAO, das gesagt werden kann, nicht das ewige TAO. Diese unsterblichen Worte von Lao-tse weisen auf das Unbegreifliche des Gottesbegriffes hin. Auf das Nichts. Und damit auf das Potenzial der Leere. Denn: „Die höchste Wahrheit kann nicht in Worten ausgedrückt  werden. Darum hat der größte Lehrmeister nichts zu sagen. Er widmet sich einfach dem Dienst an anderen und macht sich nie Sorgen“ (aus dem Hua-Hu Ching).

Gott

ist aus dieser Sicht alles was ist. Alles ist göttlich. Alles ist spirituell. Denn Spirit bedeutet Geist. „Das ALL ist GEIST ist GOTT“ ist auch die Sicht der abendländischen Hermetik. Das TAO wiederum ist das Herz der Freiheit. Wer das in der Tiefe versteht, erkennt für sich die ewige Verbundenheit mit der Existenz. Und das wiederum bedeutet, sich in die Existenz fallen zu lassen und aus diesem Fundus zu leben. Wer das für sich erfasst, lebt aus dem  Göttlichen, das er gleichzeitig ist. So ist Gott die ewige Allgegenwärtigkeit im Jetzt unserer Tage. Somit unser Segen. Und unser Leben. Keine Getrenntheit weit und breit. Wie Göttlich. 

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Karl Gamper

FOTO: getty

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