Magazin Visionen - Einfach. Besser. Leben.

Ruf des Herzens

Diese Welt ist nicht unser Zuhause, sie ist nur ein zeitweiliger Aufenthaltsort. Von der Zeit an, da wir aus Gott hervorgingen und hinab in die materielle Welt gesandt wurden, haben wir es nicht vermocht, in unsere wahre Heimat zurückzukehren. In seiner Liebe sorgt Gott also dafür, dass wir dorthin heimkehren können.

Der Hunger der Seele

Es ist ein meist unterschätztes Glück, dass wir den menschlichen Körper haben und nicht in Form eines Tieres inkarniert sind, denn nur als Menschen können wir Gott erkennen. Der Körper des Menschen gilt als der höchste in der ganzen Schöpfung, nach dem sich selbst die Engel sehnen. Es ist also ein Glück, dass wir den Menschenkörper haben, und ein noch größeres Glück, dass sich ein gewisses Verlangen nach Gott in uns regt.

Es gibt Nahrung für die, die nach Gott hungern, und Wasser für die, die nach Gott dürsten. Aber was ist das für eine Nahrung, und was für ein Wasser? Wir haben unserem Körper Nahrung gegeben und sind physisch stark geworden. Wir haben auch unserem Verstand Nahrung gegeben; wir sind intellektuell stark und machen wunderbare Erwndungen. Doch welche Nahrung haben wir unserer Seele gegeben?

Unsere Seelen sind bewusste Wesen, Tropfen vom Meer allen Lebens, allen Bewusstseins. Das Brot des Lebens, nach dem unsere Seelen hungern, kann daher nur aus Bewusstsein bestehen. Wie können wir dieses Brot des Lebens erhalten? Gott trifft Vorkehrungen für die wirklich Hungrigen. Aber wer kann uns dieses Brot des Lebens geben? Gott ist Licht, Gott ist Leben und Gott ist Liebe. Er allein, der Leben ist, der Allbewusstsein ist, kann uns das Brot des Lebens geben.

Das lebendige Brot

Dieses Leben existiert in jedem menschlichen Körper, da Gott in jedem Herzen wohnt. Doch unsere Seelen sind der Herrschaft des Gemüts und der Fliehkraft der in die Außenwelt gehenden Sinne unterworfen; und wir sind so sehr mit den äußeren Dingen identiwziert, dass wir unser eigenes Selbst, das hinter den Sinnen steht, vergessen haben. Wenn sich Gott, der jedem Herzen innewohnt, in irgendeinem menschlichen Pol manifestiert, ist diese in ihm zum Ausdruck kommende Gotteskraft Leben. Und nur er kann uns das Brot des Lebens geben, indem er unser Leben, unsere Seele, aus der Versklavung durch Gemüt und Materie befreit. Kein Menschensohn ist dazu imstande.

Was sind alle vollkommenen spirituellen Meister, wenn sie in dieser Welt auftreten und wirken? Sie sind das Brot des Lebens. Auch Christus bezog sich darauf: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer immer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.“ (Johannes 6,32–51) Ähnlich haben es alle anderen Meister gesagt. Gesegnet sind jene, die Gott zum Pol Seiner Offenbarung macht. Sie wurden zum Sprachrohr Gottes. Es ist nur Gott in ihnen, der Licht, Leben und Liebe ist und der uns das Brot des Lebens geben kann.

Dieses Brot für die Seele kann also einer spenden, in dem dieses Leben, das Gott ist, offenbar wird. So können wir das Brot des Lebens oder das Wasser des Lebens, welches uns ewiges Leben geben kann, erhalten. Wenn wir es „essen“ oder in unsere Seele aufnehmen, wird uns niemals mehr hungern; wenn wir es „trinken“, wird unsere Seele nimmermehr dürsten. Darauf ist in verschiedenen heiligen Schriften hingewiesen worden. In den Upanishaden heißt es zum Beispiel: „Was ist es, durch dessen Erkenntnis nichts mehr zu erkennen übrigbleibt?“

Der Aufstieg der Seele

Wir sind bewusste Wesen. Nur im menschlichen Körper können wir uns selbst erkennen. Wie? Indem wir uns selbst analysieren. Denn gegenwärtig unterliegen wir einer groben Täuschung. Sie entsteht dadurch, dass unsere Seele vom Gemüt beherrscht wird und unser Gemüt von den nach außen gehenden Kräften. Und wir sind so sehr mit den äußeren Dingen in der materiellen Sinneswelt identiwziert, dass wir uns selbst vergessen haben. Um uns aus dieser Täuschung zu befreien, müssen wir zuerst uns selbst erkennen. Und das geht weder durch Empwndungen noch durch Gefühle noch durch intellektuelle Schlussfolgerungen, sondern durch eine praktische Selbstanalyse, indem wir uns in der Seele über die Ebene des Körperbewusstseins erheben.

Wenn wir uns über den Körper erheben, erkennen wir, dass wir nicht der Körper sind. Wir bekommen eine Verbindung mit diesem Lebensprinzip, welches das Brot des Lebens ist. Und je mehr wir damit verbunden werden, desto mehr gibt es uns ewiges Leben. Aber es gibt Ebenen über Ebenen, die wir im Geist zu durchqueren haben. Wenn wir das höchste Ziel erreichen, das jenseits aller physischen, astralen, kausalen und suprakausalen Ebenen liegt, erreichen wir die wahre Heimat, die gänzlich spirituelle Ebene. Dort erhalten wir das wahre Brot des Lebens, das uns für immer sättigt. Dann, so könnte man sagen, führt uns der wahre Vater zu dem Wortlosen oder Namenlosen Sein, das noch jenseits davon liegt.

Vollständig verwirklichte Meister

Diese Wahrheit hat es seit Anbeginn der Welt gegeben. Meister sind immer wieder gekommen, um uns eine Verbindung mit dieser Wahrheit zu geben, dem Brot und Wasser des Lebens, das uns ewiges Leben geben kann. Zu diesem Zweck haben wir uns verschiedenen Geistesschulen angeschlossen. Der Hauptzweck ist, einen Weg zurück zu Gott oder der ewigen Wohnstatt unseres Vaters zu finden. Wir sind gesegnet.

Durch ein vergleichendes Studium der Religionen stellen wir fest, dass die Meister, die von Zeit zu Zeit in nahezu allen Religionen kamen, dieselbe Wahrheit verkündet haben. Die Wahrheit ist eine – nicht zwei, drei oder vier. Es mag Unterschiede in der Verkündung geben, da sich die Meister jeweils auf die Stufen oder Ebenen bezogen haben, die sie selbst erreichten. Bei allem Respekt für sie alle, das höchste und letzte Ziel der spirituellen Reise ist die wahre Wohnstatt unseres Göttlichen Vaters. Das ist die immerwährende Ebene, die unvergänglich und unveränderlich ist. Und wenn wir diese ewige Wohnstatt erreichen, lässt uns der wahre Vater im Wortlosen oder Namenlosen Seinszustand Gottes aufgehen. Dies sind die Lehren, welche alle Meister verkündet haben, ganz gleich, aus welcher Religion sie hervorgegangen sind.

All das können wir nur im Menschenkörper erlangen; die menschliche Inkarnation ist unsere goldene Gelegenheit. Aber was haben wir mit diesem Menschenkörper bisher gemacht? Haben wir unsere Chance genutzt? Haben wir das Ziel erreicht? Wenn nicht, sollten wir etwas dafür tun. Den Weg zurück zu Gott wndet man nur in der Gemeinschaft derer, die die wahre Heimat erreicht haben und darüber hinaus in dem Wortlosen Sein aufgegangen sind. In ihrer Gemeinschaft ist es immer leichter, den spirituellen Weg zu gehen. Wer immer den Weg kennt, kann ihn uns zeigen.

Was willst du wirklich?

Die meisten von uns haben allem Anschein nach ein Verlangen nach Gott; doch wenn man dem auf den Grund geht, erkennt man, dass es uns in Wirklichkeit nicht nach Gott verlangt, sondern nach Dingen in dieser Welt. Wir wünschen uns Gott, da wir glauben, diese Dinge durch Ihn erhalten zu können. In den Kirchen und anderen heiligen Andachtsstätten wird man Hunderte von Menschen wnden, die, wenn man sie offen fragt, was ihnen am Herzen liegt, antworten werden: „Mein Sohn ist krank, er sollte wieder gesund werden“ oder „Ich habe ein bestimmtes Problem, das ich gerne gelöst hätte“ oder „Ich habe gewisse Schwierigkeiten; ich suche Schutz.“ In Wahrheit wird also die Welt verehrt, nicht Gott. Wir verehren Gott nur, weil wir wissen, dass wir die Sache, die wir haben wollen, von Gott bekommen können, das ist alles.

Es gibt Meister und solche, die so genannt werden. Es ist an uns zu prüfen und sehen, was wir wirklich bekommen wollen. Menschen, die weltliche Dinge wollen oder übernatürliche Kräfte oder Gedankenlesen oder vielleicht nur Heilkräfte, haben im Innersten ihres Herzens kein echtes Verlangen nach Gott. Das sind Dinge von untergeordneter Bedeutung. Sie bekommen das Gewünschte – das ist alles. Gott aber erhalten sie nicht.

Gesegnet sind also diejenigen, die wirklich Gott suchen. Für diese – wer sie auch sein mögen, wo und in welcher Religion sie auch immer sind – trifft Gott Vorkehrungen, um sie zu Ihm zu bringen. Gott, der in jedem Herzen wohnt, weiß, dass „dieses oder jenes Kind nach Mir verlangt“. Wenn Er das feststellt, sorgt Er dafür, dass dieses Kind irgendwo durch einen vollbewussten Meister eine Verbindung mit Ihm erhält, damit es dort auf den Weg zurück in die wahre Heimat gestellt werden kann. Doch bedenkt, es sollte ein echtes Verlangen sein.

Die Erfahrung ist der Beweis

Woran erweist sich, ob man wirklich auf den Weg gestellt ist? Das ist die entscheidende Frage. Es zeigt sich daran, dass derjenige, der eine Verbindung mit der Gotteskraft erhalten hat, selbst bezeugt, dass er tatsächlich im Innern etwas von Gott erfahren hat. Zu sagen, dass man etwas nach dem Tod, im Jenseits, bekommen wird – nun, das mag wahr sein oder auch nicht.

Spiritualität ist nicht Spiritualismus, nicht Spiritismus und auch nicht Hypnose. Sie hat mit einem höheren Bewusstsein zu tun. Und man sieht selbst, dass man es hat, und zwar nicht wegen dem Einyuss anderer, sondern durch das eigene Aufsteigen über das Körperbewusstsein. Man erlebt es selbst – und es ist etwas Dauerhaftes, Bleibendes. Das ist die vor uns liegende Aufgabe.

  Kirpal Singh

Sant Kirpal Singh (1894 bis 1974) wirkte seit 1948 als spiritueller Meister. Auf seinen Vortragsreisen und als langjähriger Präsident der „Weltgemeinschaft der Religionen“ erwarb er sich im Osten wie im Westen große Achtung und Sympathie.

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FOTO: gettyimages

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