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Eltern, Kinder & Spiritualität

Spirituell gesinnte Eltern stehen immer wieder vor der Frage, ob und wie sie den Herausforderungen ihres Erziehungsauftrags gerecht werden können.

Und wie muss ein Bildungssystem aussehen, das Kopf und Herz gleichermaßen entwickelt? Anregungen von einem spirituellen Meister.

Aus irgendeinem Grund ist es einem jungen Menschen heute nicht mehr möglich, echtes Wissen zu erwerben. Echtes Wissen besteht darin, die Zusammenhänge des Lebens richtig zu verstehen, und äußert sich in rechtem Denken, Reden und Handeln. Tatsächlich liegt das eigentliche Bildungs- und Erziehungsideal in der Schulung des Charakters und der individuellen Entfaltung von Herz und Verstand, Willenskraft und Seelenstärke.

Die beste Erziehung ist eine Schule des Dienens, der gegenseitigen Fürsorge, denn dies ist das Ziel allen Wissens. Liebevolles Miteinander wäre ein anderes Wort dafür. Es ist der Kern des persönlichen und sozialen Lebens. Eine solche Haltung schafft eine Atmosphäre der Demut, des Friedens und der Freundlichkeit. Die Praxis, Pflege und Umsetzung dieser Werte ins eigene Leben ist nichts anderes als Spiritualität.

Befreiung des Herzens

Die moderne Erziehung ist größtenteils egozentriert und führt zu spirituellem und sozialem Analphabetentum. Die Menschen, die ihr Leben antreten, orientieren sich an materiellem Gewinn und persönlichem Erfolg und vergessen dabei, dass wahres Glück erst dort beginnt, wo das kleine Selbst – das Ego – auf der Suche nach dem Höheren Selbst sein Gefängnis verlässt.

Das gegenwärtige Bildungssystem krankt vor allem an der Trennung von Herz und Verstand. Es fördert einseitig die Entwicklung des Intellekts und führt zwar zu einer Schärfung des Verstandes – viel wichtiger aber ist die Befreiung des Herzens. Kopf und Herz, Verstand und Mitgefühl für die Armen, Schwachen und Bedürftigen müssen Hand in Hand entwickelt werden. Opfermut erwächst aus dem Herzen, weshalb zunächst Herzensbildung erforderlich ist.

Information und Inspiration

Lehrer sollten ihre Schüler im Geist der Liebe und mitfühlenden Sympathie erziehen und Information mit Inspiration, Wissen mit Liebe verbinden. Man kann alle möglichen akademischen Grade erwerben und dennoch ein Ignorant in Sachen Leben sein, man kann tausend Bücher gelesen haben und trotzdem ein unzivilisierter Zeitgenosse bleiben. Wahre Bildung kultiviert, und das Gütezeichen eines kultivierten Menschen ist die Höyichkeit. Gelehrsamkeit verführt zu Stolz, während Bildung bescheiden macht.

Äußere Verbesserungsmaßnahmen führen diesen Wandel nicht herbei. Es kommt auf die Atmosphäre an. Deshalb sollte das Augenmerk in den Schulen weniger auf Einrichtung, Ausstattung und Verhaltensregeln liegen als auf einer guten Atmosphäre.

Mut und Seelenstärke

Zarte Kinderherzen brauchen eine geschickte Hand. Tatsächlich beginnt die Erziehung schon vor der Geburt, weshalb jede werdende Mutter besonderer Fürsorge bedarf. Die ständige Verbundenheit mit liebevollen Kräften entwickelt das Gute im Menschen. Das Kind ist eine Wiege schöpferischen Lebens. Es muss sich entfalten wie eine Blume, mit Liebe und Gefühl, nicht mit Gewalt.

Zwängt Eure Kinder nicht in die Prüfungsmaschinerie, scheltet sie nicht und stoßt sie nicht vor dem Kopf. Wenn Kinder Fehler machen, sollte man mit Liebe, Einfühlsamkeit und Verständnis an ihre höheren Instinkte appellieren. Wutausbrüche, lautstarkes Schimpfen und Gewaltanwendung werden sie nur verwirren, weil sie dann nicht wissen, was sie falsch gemacht haben. Erklärt es ihnen in aller Ruhe, wenn nötig auch mehrmals, und der Erfolg wird nicht ausbleiben. Jede Seele, die in diese Welt geboren wird, ist für solche Gefühle liebevoller Zuneigung und Fürsorge äußerst empfänglich und braucht sie, um Mut und innere Stärke zu entwickeln.

Liebe kennt keine Berechnung, nur Dienen und Selbstlosigkeit. Wenn ihr krank seid, seid ihr dann nicht auch um jeden Menschen froh, der euch nicht nur deshalb hilft, weil das nun einmal "sein Job" ist Die Pyicht zur Fürsorge schließt auch eine gewisse Dankbarkeit ein. Das gilt auch für uns. Sollten wir nicht allen Menschen von Herzen dankbar sein, die schon einmal irgendetwas für uns getan haben? 1nd das, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

Im Geist des Miteinanders

Erziehung im Geiste des Miteinanders bringt vierfachen Segen. Zunächst wirkt sie sich auf den Kostenfaktor aus. Zweitens lehrt sie die Achtung vor den Gesetzen des Lebens. Drittens fördert sie die freie, allumfassende Entwicklung des Menschen. 1nd schließlich führt sie zur letzten Befreiung oder Erlösung, das heißt zur Aufgabe unseres kleinen Ichs mit all seiner Engherzigkeit, Parteilichkeit und Heuchelei.

Eine Erziehung, die uns nicht über die alltäglichen Grenzen unseres Ichs hinausführt und unseren geistigen Horizont nicht beträchtlich über das Mittelmaß erweitert, verfehlt ihren Zweck. Es ist eine bedauerliche Tatsache, dass das gegenwärtige Bildungssystem nur eine sehr unzureichende und lückenhafte Vorbereitung auf das Leben bietet, anstatt für ein umfassendes Wachstum der menschlichen Persönlichkeit zu sorgen.

Den Kontakt zur Seele nicht verlieren

Ohne einen tiefgreifenden inneren Wandel ist es dem Menschen nicht mehr möglich, mit den an allen Fronten wechselnden Gegebenheiten seines Lebens Schritt zu halten. 1m diese lebenswichtige und unverzichtbare Aufgabe zu erfüllen, bedarf es eines grundlegenden Wandels innerhalb des Bildungs- und Erziehungswesens, denn unsere Gesellschaft braucht die starke, realistische und konstruktive Führung junger Männer und Frauen, die nicht nur Verstand, sondern auch Herzensbildung besitzen. Es geht darum, eine Atmosphäre zu schaffen, die es dem Menschen ermöglicht, sich allseitig zu entwickeln und zu entfalten, ohne den Kontakt mit seiner Seele zu verlieren.

 Kirpal Singh

Sant Kirpal Singh (1894-1974) wirkte seit 1948 als spiritueller Meister. Auf seinen Vortragsreisen und als langjähriger Präsident der „Weltgemeinschaft der Religionen“ erwarb er sich in Ost und West große Achtung und Sympathie.

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FOTO: gettyimages

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