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Leben bewusst verlängern

Über die Psychologie des Jungbleibens Warum genießen manche Menschen noch im hohen Alter die Freuden des Lebens und sind voller Vitalität, während andere schon früh körperlich abbauen und resignieren? Coach Andreas Winter nennt wichtige Faktoren für das Jungbleiben.

Wir wollen alt werden, aber nicht alt sein, richtig? Also helfen wir mit kleinen oder großen Tricks der verwelkten Natur etwas auf die Sprünge: Fältchencremes auftragen, die Haare nachfärben oder mit Hyaluron, Botox oder Eigenbluttherapie den Körper aussehen lassen wollen, als wäre er 20 Jahre jünger… Das Problem: Man sieht es uns an. Jeder merkt es, keiner sagt es. Man kann nicht verbergen, ob wir gegen den Alltag kämpfen und eine Zufriedenheit vortäuschen, die man uns schon als Kind genommen hat.

Altern oder Reifen?

Tagein, tagaus hören wir, dass zu viel Essen, Tabak, Alkohol und zu wenig Bewegung die Gesundheitskiller schlechthin sind. Glaubt nicht jeder, dass Altwerden eigentlich nur möglich ist, wenn man lebt wie ein Mönch, versorgt ist wie ein Millionär und sich fit hält wie Turnvater Jahn persönlich? Falsch gedacht! Schauen Sie sich einmal Menschen an, die wirklich in Würde alt geworden sind und nicht etwa tatterig und dement: Sie haben alle eines gemeinsam: Einen guten Grund zu leben!

Bei der Untersuchung von wirklich betagten, aber agilen Menschen wird schnell deutlich: Es gibt einen Unterschied zwischen Altern und Reifen. Wer gegen das Alter kämpft, der kämpft gegen das Leben. Wessen Probleme ihm wie eine Last auf den Schultern liegen, für wen das Leben schwer ist, der sieht auch bald so aus, als würde er schwere Steine schleppen. Wer einfach nur altert, wirkt verbraucht – da hilft auch keine Schminke. Wer hingegen Herausforderungen mit Sportsgeist angeht, seine Probleme beizeiten löst, wer Konflikte nicht persönlich nimmt und einfach vom Leben noch etwas will, dessen positive Ausstrahlung funktioniert auch ohne Toupet und Lifting.

Es geht also letztlich darum, Stressfaktoren zu minimieren und in Zufriedenheit oder gar Begeisterung zu leben.

Stress macht alt

Stresshormone machen alt und krank, schwächen die Abwehr, beeinträchtigen die Entfaltung und verändern den Körper. Fältchenbildung, Haarausfall, Gelenkschmerzen und dicke Tränensäcke sind Folgen von lebenslangem Kummer, Groll und Wut. Endorphine hingegen helfen dem Körper, das zu sein, was er von Zeugung an zu sein versucht: gesund, abwehr- und leistungsstark. Hormone werden durch unsere Emotionen ausgeschüttet, durch das, was wir erleben und was wir dabei empfinden.

Altern oder Jungbleiben hat also nichts mit Laufbändern und Vitaminpillen zu tun, sondern mit dem, was Sie denken. Wir sind im Bereich der Psychologie!

Die Psyche ist das Steuerungsprogramm eines Menschen. Sie bewirkt die Hormonausschüttung zur Steuerung des Verhaltens und der körperlichen Erscheinung. Ich höre immer wieder: „Ich kann nichts gegen mein Gewicht, meine Falten, meine Schmerzen machen, mein Körper gehorcht mir nicht, er will nicht.“ Ich entgegne dann jedes Mal: „Ihr Körper besteht aus Calcium, Kohlenstoff, Zink und über 20 weiteren Elementen. Der macht von sich aus gar nichts. Sie organisieren den Körper und sagen ihm, er dürfe nicht abnehmen, nicht würdevoll oder sexy aussehen, nicht funktionieren. Ihr Unterbewusstsein weiß ganz genau, warum es einen gestörten Körper in Kauf nimmt oder sogar erzeugt. Machen Sie sich bewusst, was Sie stresst, verlängern Sie damit Ihr Leben.“

Wenn man nun Klienten befragt, was Stress erzeugt, lauten die Antworten: Familien- und Partnerschaftsprobleme, Geldsorgen, Angst vor Krankheit und Kontroll- und Komfortverlust. Darunter fallen Themen wie Klimaveränderung, Corona, Krieg und Arbeitslosigkeit. Wie wird man diesen Stress nun wieder los?

Diskrepanz zwischen Erwartung und Erleben

Viele glauben, Stress sei so etwas wie Gereiztheit, Wut oder Ärger. Doch diese Gefühle sind bereits die Folge von Stress. Es gibt sehr viele verschiedene Stresshormone mit unterschiedlichen Funktionen. Sie werden ausgeschüttet, wenn das, was man erlebt, nicht mit dem übereinstimmt, worauf man sich eingestellt oder was man erwartet hat.

Unser Gehirn erzeugt mit seinen neuronalen Verschaltungen elektromagnetische Wellen im Millielektronenvolt-Bereich. Rein technisch gesehen sendet, empfängt und vergleicht unser Gehirn Informationen. Das Gesendete sind unsere Absichten und Erwartungen. Was zurückkommt, sind unsere Wahrnehmungen und unser Erleben. Möchten Sie einen Schluck Tee trinken, melden Ihre Augen ans Gehirn: „Es sieht aus wie Tee, es wird wohl auch so schmecken wie Tee.“ Ihr Gehirn scannt das alles ab und vergleicht Input mit Output. Trinken Sie nun einen Schluck und die Rezeptoren im Mund sagen: „Der ist ja kalt!“, dann haben Sie eine Dissonanz zwischen Gesendet und Empfangen. Das heißt, was Sie da erleben und wahrnehmen, ist nicht das, was Sie erwartet haben. Und dieser Unterschied sorgt für die Ausschüttung von Stresshormonen mit dem Befehl: „Stopp! Nicht weiter diesen Tee trinken denn das, was du da erlebst, ist nicht das, was du erleben wolltest! Vielleicht ist es gefährlich!“ Und je größer der Unterschied ist, desto mehr Stresshormone werden ausgeschüttet.

Erwartungen anpassen

Zumeist lernen wir, bei Stress solle sich das unerwünschte, unerwartete Außen im Wahrnehmen und Erleben verändern. Doch die Welt verändert sich nicht so einfach. Das stresst uns dann noch mehr. Und der Wunsch, etwas zu verändern, wird größer.

Doch wir können anders mit dem Unterschied zwischen Erleben und Erwartung umgehen, indem wir uns einfach auf das einstellen, was wir erleben. Wenn Sie also von Ihren Eltern, Partnern, Chefs gar nichts anderes erwarten, als dass diese genervt, unzufrieden, verständnislos und besserwisserisch sind, dann ist der Stress weg!

Das, was Sie Ihr Leben lang gestresst hat: Ablehnung, Unsicherheit, Verlust, ungerechtfertigte Kritik, Disharmonie, Erwartungsdruck und Bevormundung hat eine Ursache in der frühesten Kindheit. Dementsprechend entwickelt man emotionale Verhaltensmuster, die bei entsprechenden Auslösern im Alltag aktiviert werden: Rückzug, Depression, Aggression, Voralterung, Zweckpessimismus, Kompensationsverhalten, wie Rauchen, Essen, Trinken, aber auch Selbsthärte-Programme, wie Leistungssport, Arbeitseifer, Perfektionismus, oder Selbstgerechtigkeit.

Neue Verhaltensmuster lernen

Man kann die Wunden der Kindheit heilen lassen und mit der Reife eines Erwachsenen neue Verhaltensmuster schaffen. Das Gehirn kann lernen: Ich bin nicht in akuter Gefahr. Dadurch sinkt das Stresslevel. Und ohne Stress erholt sich der Körper, spürbar und sichtbar.

Selbstverständlich kommen in unsere Praxis keine Menschen, die sagen: „Macht mal, dass ich jünger werde!“ Es sind eher pragmatische Zielsetzungen wie Abnehmen, Nichtrauchen, Angstfreiheit usw., die sich unsere Klienten vornehmen. Doch unser Bestreben ist die Optimierung der gesamten Lebensqualität durch Erkenntnisse, und nicht bloß Symptomkosmetik. Wer zu uns kommt, dessen „Keller wird aufgeräumt“, so lautet unser Anspruch. Wenn ich den Eindruck gewinne, dass ein Klient sein Leben lang „emotional Steine geschleppt“ und hierdurch den Lebenswillen nahezu verloren hat; wenn er stets gelitten hat unter Überforderung, Unterschätzung, Misstrauen und Erwartungsdruck, dann hilft nur eines: das ganze Leben mit all seinen Traumata und Katastrophen an einem „roten Faden aufzureihen“.

Hypnotische Traumreise

Man kann einem Menschen helfen, sich die Chronologie, den Zusammenhang und die Bedeutung bestimmter Ereignisse bewusst zu machen. Man kann bestimmte Stationen des Lebens in eine sogenannte hypnotische Traumreise fassen und dem Klienten präsentieren. Bisher schier unlösbar geglaubte Probleme erscheinen dann plötzlich überschaubarer.

Stellen Sie sich vor, in einem Zustand der leichten Entspannung hörten Sie, wie jemand Ihnen Ihr ganzes Leben in Stichpunkten aufzählt, und Sie darin entdecken, dass alles, worunter Sie wirklich gelitten haben, immer demselben Muster entspringt. Stellen Sie sich vor, welchen Effekt es auf Ihr Selbstvertrauen hat, wenn Ihnen klar wird, dass Sie Ihr Leben lang eigentlich immer nur an „einer einzigen Baustelle“ gearbeitet haben und Sie alle anderen Probleme etwas leichter nahmen.

Meiner Theorie nach haben nämlich alle Symptome eines Menschen denselben traumatisierenden Ursprung. Es wären damit, bildlich gesprochen, alles „Köpfe desselben Drachens“. Wenn Sie erkennen, ja förmlich spüren, dass Sie den Kampf beenden können, weil Ihnen Dinge wie ungerechtfertigte Bestrafung oder intellektuell unterschätzt zu werden, aufgrund der Macht und der Reife eines Erwachsenen nichts mehr anhaben können, da Sie nun passend darauf reagieren können, dann werden Sie ein nie gekanntes Gefühl der Entlastung verspüren. Und wie Sie ja wissen, wird sich dieses starke Erleichterungsgefühl körperlich niederschlagen. Kummerfalten, dicke Tränensäcke, ja sogar ergraute Haare verändern sich ab diesem Zeitpunkt kontinuierlich zum harmonischen Positiven.

Sie werden es merken und man wird es Ihnen ansehen. Wer authentisch glücklich ist, ist einfach anziehender – also attraktiver!

 Andreas Winter

Buchtipp
Andreas Winter: Die Psychologie des Jungbleibens.
So drehen Sie Ihre biologische Uhr zurück. Mankau Verlag, 2022. Taschenbuch, 190 Seiten. ISBN 978-3-86374-649-0.  Auch als Hörbuch mit Coaching (mp3 oder Download) erhältlich.

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FOTO: gettyimages

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