Was entfacht die schöpferische Kraft des Glaubens? Eine Kraft, die – wie Jeshua lehrte – Berge versetzen kann. Dieser Hinweis taucht in mehreren Evangelien auf.
So lesen wir bei Matthäus 17,20: „Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr zu diesem Berg sagen: Hebe dich dorthin, und er wird sich heben; und nichts wird euch unmöglich sein.“
Der Hinweis auf das Senfkorn symbolisiert die immense Kraft selbst kleinsten Glaubens. Eine Kraft, die scheinbar Unmögliches möglich machen kann. Diese Worte sind zu einem starken Bild geworden, das weltweit in Redewendungen und Weisheiten auftaucht. Sie betonen, dass tiefer Glaube Hindernisse überwinden und schier unvorstellbare Veränderungen bewirken kann.
WISSENDES NICHTWISSEN
Glaube ist – wie ich ihn verstehe – ein inneres Wissen, das wir auch als „wissendes Nichtwissen“ bezeichnen können. Gemeint ist ein Wissen, das sich dem Korsett von Zahlen, Daten, Fakten völlig entzieht. Dieser wirkmächtige Glaube wird befeuert vom Gefühl der Leidenschaft, der Sehnsucht und der Hingabe. Dieser Glaube kennt das Brennen des Herzens, wird getragen von der Macht des Vertrauens und kann eine Unerschütterlichkeit haben, die jeden Zweifel im Keim erstickt.
Religion“ und „Glaube“ werden oft synonym verwendet. Beide können ein Anker sein im Leben. Beide können auf eine Liebe hinweisen, die alle unsere Vorstellungen sprengt. Tatsächlich kommt das Wort „Glaube“ von dem althochdeutschen „gilouben“ – was so viel wie „für lieb halten“ bedeutet. Dieser Hinweis auf die Liebe – auf das Mysterium der Liebe – ist die erste Antwort auf die oben gestellte Frage: Was entfacht die schöpferische Kraft des Glaubens? Es ist die Liebe! Und um nochmals Jeshua zu zitieren: Er verbannte das rachsüchtige Gottesbild des Alten Testamentes und ersetzte es durch das strahlende Licht der Liebe. Gott ist in diesem Verständnis Liebe und Liebe ist Gott. „Du sollst dir von mir, deinem Gott, kein Bild machen“ ist der ultimative Hinweis auf das unergründliche Mysterium der Liebe. Je intensiver wir in diese göttliche Liebe fallen, je mehr wir uns darauf einlassen, desto grenzenloser und in der Tiefe unverständlicher offenbart sich diese Liebe als universeller Ausdruck allen Lebens. Vollkommen befreit von unseren „RichtigFalsch-Schablonen“.
Es ist jene Liebe, jenes göttliche Strahlen, das sich allen persönlichen Aspekten entzieht und das uns deutlich macht: „Bei Gott ist nichts unmöglich.“ Im Klartext: Der Liebe ist nichts unmöglich.
VERTRAUEN WIRD SEHEND
Wer dort ankommt, für den offenbart sich das nächste Mysterium. Das blinde Vertrauen wird sehend. Es sieht das Unsichtbare. Es sieht das Senfkorn im Inneren. In der Kammer des eigenen Herzens.
Das ist eine Wendung um 180°. Der Finger krümmt sich und weist auf die innere Landschaft, weist auf den inneren Garten hin und eine Ahnung flüstert uns zu: Da ist es. In uns ist das Königreich. Dieses gilt es zu bestellen.
Hier wird deutlich: Die innere Landschaft zu gestalten ist wahrhaftiges Schöpfertum. Jeder kann das. Du, ich, wir alle. Jeder Mann und jede Frau. Sogar jedes Kind ab einem bestimmten Alter.
WENDEZEIT & INNERE LANDSCHAFT
„Wir leben in einer Wendezeit“ – wer hat das nicht schon hundertmal gelesen? Doch was wendet sich? Es wendet sich der Blick. Bei Tausenden und Abertausenden von Menschen, die alle das Spiegelbild im Außen als die Reflexion unserer inneren Landschaft erkennen.
Wenn wir im Wort „Glaube“ den ultimativen Hinweis auf „Liebe“ erfassen, so dürfen wir diese allumfassende Liebe als Senfkorn erkennen, das in unserem Inneren, in unserer inneren Landschaft, in unserem inneren Garten heranwächst. Heranreift. Und nun bei vielen Menschen reif geworden ist. Wie erfreulich.
Durch diese radikale Wende nach innen erlösen wir uns selbst aus der Hypnose, aus der Trance des äußeren Spiegelbildes. Wir erkennen mit klarem Blick: Alles ist in uns. Wie innen – so außen. Das ist die Formel. Die Lösung ist in uns.
Glaube bedeutet: Wir sind gerufen, das Königreich in uns im Außen sichtbar zu machen. Glaube ermöglicht uns, Berge zu versetzen. Glaube lässt uns an einen Frieden glauben, der kein Gegenteil kennt. Denn Glaube ist Liebe in Aktion. Und du und ich – wir sind dabei.
Karl Gamper





