Die kanarische Insel Lanzarote ist kein Reiseziel, das man besucht und wieder vergisst. Sie ist zu nah an Afrika, zu weit von allem anderen und zu intensiv, um sie je wieder loszulassen.
Ende der Achtziger lebte ich für unbeschwerte zehn Monate auf der Nachbarinsel Fuerteventura. Wüstenlandschaft, endloser Wind, unendliche Weite. Als ich dort einen Berliner treffe, der während seiner Semesterferien das Segelboot eines Freundes hütet, scheint mein Glück perfekt. Nur 45 Minuten mit der Fähre von Corralejo entfernt liegt Playa Blanca, ganz im Süden Lanzarotes. Ich sehne mich nach einem freien und abenteuerlichen Leben, fahre hin und bleibe. Das kleine Fischernest ist zu dieser Zeit nicht mehr als eine Handvoll Häuser. Kein Restaurant, keine Dusche, nur eine Bar, die öffnet, wenn dem Wirt danach ist. Wir waschen uns die Haare im Atlantik, fahren tagsüber über Schotterpisten zu den traumhaften Playas de Papagayos. Abends sitzen wir mit einem Glas Wein an Deck und schauen auf das glitzernde Meer – und irgendwo dort draußen ist Afrika, fast zum Greifen nah, gerade mal 125 Kilometer entfernt.
Tina Engler





